Rhein-Sieg-Anzeiger 24.05.2017: Schöne Stimmen und Flötentöne

Schöne Stimmen und Flötentöne

von Peter Lorber
Konzert des Frauenchors Furore

In glänzender Sangeslaune präsentierte sich der Gastgeber beim Konzert des Frauenchors Furore. Foto: Lorber – Quelle: http://www.ksta.de/26963198 ©2017

Troisdorf – Es gab einige Stellen beim Konzert des Troisdorfer Frauenchors Furore, für die allein sich das Kommen gelohnt hätte. Etwa die umjubelten Auftritte des Panflötisten David Döring oder einige nachhaltige Lieder der Gastgeberinnen, die eine ganz besondere Wirkung erzeugten.

Wie der Summchor aus Puccinis Oper Madame Butterfly. Dirigent Wolfram Kastorp hatte seine Damen gut darauf eingestellt, die Stimmung umzusetzen, die mit dieser wundervollen Melodie bebildert werden soll. Wobei das vier Minuten lange Stück ja in Gänze summend auszuführen ist.

Mit eiserner Disziplin

Es ist der Moment in der Oper, als Butterfly nach drei Jahren endlich der Rückkehr ihres geliebten Leutnant Pinkerton, ein amerikanischer Offizier und Vater ihres Sohnes, sehnsüchtig entgegensieht. Puccini hat der romantischen Grundstimmung aber auch eine traurige Einfärbung verliehen. Möglicherweise im Vorgriff auf den tragischen Ausgang mit dem Selbstmord der Geisha, als Pinkerton dieser den gemeinsamen Sohn wegnahm.

Panflötist David Döring

Einen großen Auftritt hatte der Panflötist David Döring. – Quelle: http://www.ksta.de/26963198 ©2017

Mit eiserner Disziplin wahrte der Chor den herzschlaggleich pochenden Rhythmus, meisterte die Höhen des Mittelteils und vor allen die des fordernden Schlusses.

Neugierig werden die Besucher gewesen sein, wie Kastorp sein Arrangement des Kriminal-Tango angehen wird. Diesen hat man vor allem in der Fassung des Hazy Osterwald Sextetts im Ohr. Kastorp lehnte sich daran an, ließ die Strophen, die im Original eine tenorale Tonfarbe haben, von den Oberstimmen ausführen und den Refrain – analog der basslastigen Herren – von den Furore-Unterstimmen singen. Das chorische Gleichgewicht stellte Kastorp her, indem er den jeweils „ruhenden“ Stimmlagen ein kontrastierendes „Tam-Taram“ im Tangorhythmus singen ließ. Lauter Beifall der rund 450 Besucher brandete nach dem gelungenen Vortrag in der Stadthalle auf.

Probenaufwand betrieb der Dirigent offenbar hinsichtlich des oft auswendigen Singens und der präzisen Endungen, die schon eingangs bei Roberts Papperts „Rosenzeit“ wohltuend waren. Während die Sängerinnen dieses Lied getragen intonierten, legten sie in Mackebens „Bel Ami“ Schwung und empathische Ausstrahlung. Prima klappten die Temposteigerung vor dem Refrain und die untermalenden, samtweich-melodischen Verzierungen.

Für den stimmlichen Kontrast war der Tenor Ricardo Marinello zuständig, der 2007 Bekanntheit erlangte, als er Bohlens Supertalent-Show gewann. Der Solist war nicht gut beraten, sich so nahe ans Mikrofon zu stellen, besonders bei seinem „Dein ist mein ganzes Herz“, wo die Höhen zu laut zum Publikum fanden. Während ihm die Schlusstretta im „Granada“ noch atemraubende Probleme bereitet hatte, fand er bei „Funiculi Funicula“ an der Seite des gut gelaunten Frauenchors zu lyrischer Eleganz und sicherer Intonation. Viel Arbeit indes hatte Kastorp beim Chianti-Lied den Tenor, Chor und den Pianisten synchron zu halten. Jede Menge Sympathien nahm Panflötist Döring mit nach Hause. Er verblüffte mit der Klangvielfalt, die er dem scheinbar einfachen Instrument entlockte. Das wurde bei Händels Halleluja besonders deutlich, wo er mit Unterstützung eines Halb-Playbacks fast sinfonische Wirkung erzeugte und sämtliche berühmten Melodielinien präsentierte.

In der zweiten Hälfte setzte sich der Spaziergang durch die Welt der Ohrwürmer fort. Mit „New York, New York“, „Don’t cry for me Argentina“ oder „El Condor Pasa“ (natürlich mit Panflöte) des Chors und Marinellos „O sole mio“ fort. Ein Schmankerl war das „Komm in die Gondel“, bei dem der Tenor von Bass Wolfram Kastorp unterstützt wurde. Eine Bank war Pianist Frank Hoppe, der über seine eigentliche Aufgabe als Korrepetitor hinausging und den Stücken mit Verzierungen Glanz verlieh.

– Quelle: http://www.ksta.de/26963198 ©2017

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